Reformation

Umstände, die zur Reformation führten

Reformation kommt von reformatio und bedeutet so viel wie „Wiederherstellung, Erneuerung“. So bezeichnet man im engeren Sinn die kirchliche Erneuerungsbewegung im 16. und beginnenden 17.Jahrhundert, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert) führte.

Die Gründe und Faktoren, die dazu führten, waren vielfältig:

  • Maximilian I. (1456-1519), als Kaiser der Zeitenwende einer der populärsten Habsburger, hinterließ durch Heirat, Erbschaft und Kriege ein „Weltreich“. Sein Enkel Karl V., in Spanien streng katholisch erzogen, trat dieses Erbe an. Karl war wie die meisten seiner Familienmitglieder sehr religiös und träumte von einer vereinten Christenheit. Doch die Entwicklung der Zeit lief in eine andere Richtung: Die Reformation breitete sich aus.
  • Dazu beigetragen hat auch der wirtschaftliche und gesellschaftliche Umschwung, entstanden durch den stark aufkommenden Handel. Das Patriziertum in den Städten wurde immer reicher. Der Adel hatte finanzielle Schwierigkeiten, da er von der Landwirtschaft lebte, und den Bauern blieb durch ihren Frondienst oder hohe Steuerabgaben nur das Existenzminimum.
  • Durch die hohe Sterblichkeit, teilweise hervorgerufen durch Epidemien, war der Tod für die Menschen in dieser Zeit allgegenwärtig. Im Bewusstsein der Sündhaftigkeit dürsteten die Menschen, die eine enorme Frömmigkeit besaßen, nach Dingen, die ihnen im Jenseits einen Platz im Himmel sichern sollten. Um die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen, machte man Wallfahrten, fromme Stiftungen und kaufte Messen und Ablassbriefe.
  • Martin Luther hat durch seine Veröffentlichung der 95 Thesen zur Diskussion aufgerufen. Er wollte wie viele Katholiken nur aufzeigen, was sich durch falsche Lehren und Missbrauch innerhalb der Kirche tat. Besonders prangerte er den Verkauf von Ablassbriefen an und die Käuflichkeit kirchlicher Ämter. Er wollte darüber diskutieren und die Kirche nur reformieren, nicht spalten.
  • Guttenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern in der Mitte des 15. Jahrhunderts löste eine Medienrevolution aus und ermöglichte eine rasche Verbreitung von Schriften der Reformatoren. Die 95 Thesen wurden auch gedruckt und waren bereits im November 1517 im gesamten mitteldeutschen Raum erhältlich.

So verbreitete sich im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Reformation von Wittenberg und anderen Orten aus, ganz unterschiedlich in den Regionen und abhängig vom Landesherrn und den Ständen. Im Speziellen ist die Ausstellung aus Gründen der Komplexität hauptsächlich nur mit unserer näheren Heimat befasst.