Wibrandis Rosenblatt

Wibrandis Rosenblatt

Sie ist eine jener wenigen Frauen, die aus der meist von Männern dominierten Basler Geschichte herausragen. Sie wurde 1504 als Tochter der Magdalena Strub aus Basel und des Hans Rosenblatt aus Säckingen geboren.Über ihre Jugend ist nicht viel bekannt. 1524 heiratete die zwanzigjährige Wibrandis den humanistisch gebildeten Basler Magister Ludwig Keller, der sich Ludwig Cellarius nannte. Er starb nach zwei Jahren und ließ sie mit einer Tochter zurück, die wie die Mutter Wibrandis hieß. Als die Mutter des Predigers und Universitätsprofessors Johannes Oekolampad starb, die ihrem Sohn den Haushalt besorgte, entschloss sich der Basler Reformator zu heiraten. Seine Lebensgefährtin wurde die 22 Jahre jüngere Witwe Wibrandis. Sie brachte ihre Mutter und die kleine Tochter in die Ehe mit. Die Ehelichung eines Priesters galt als reformatorischer Akt, als Bekenntnis zum neuen Glauben. Einige Zeit nach der Hochzeit schrieb Oekolampad an seinen Freund Capito: „Meine Frau ist, was ich mir immer wünschte. Sie ist weder streitsüchtig noch geschwätzig und treibt sich nicht herum, sondern kümmert sich um den Haushalt“. Wibrandis war arbeitsam, bescheiden, gehorsam, bibelkundig und außerdem noch Mutter von weiteren drei Kindern. Als Pfarrfrau empfing sie Gäste, beherbergte Glaubensflüchtlinge, betreute Arme und Kranke, sie sorgte sich um das leibliche und geistige Wohl der Pfarrhausgemeinschaft. Sie unterhielt gute Beziehungen zu anderen Frauen von Reformatoren durch Besuche und hatte einen regen Briefwechsel mit Agnes, der Frau von Capito, und Elisabeth, der Frau von Bucer. 1531 starb Oekolampad und ließ Wibrandis nun zum zweitenmal als Witwe mit drei Kindern zurück. Ungefähr zur selben Zeit hatte der Straßburger Reformator Wolfgang Capito seine Frau durch die Pest verloren. Als Witwer mit mehreren Kindern suchte er sofort nach einer neuen Partnerin. Sein Freund Bucer riet ihm, die Brieffreundin seiner verstorbenen Frau, die Witwe Wibrandis, zu heiraten. Der über fünfzigjährige Capito holte die zwanzig Jahre jüngere Wibrandis nach Straßburg, wo er Pfarrer war, und heiratete sie. Capito war durch eine Bürgschaft in finanzielle Bedrängnis geraten. Um die üblichen Hilfesuchenden und ihre Familie versorgen zu können, mussten sie sparsam leben. In der neunjährigen Ehe gebar sie ihm fünf Kinder. Drei davon starben 1561 mit Capito bei einer Pestepidemie. Derselben Epidemie fiel auch die Frau Martin Bucers zum Opfer. Am Totenbett nahm sie ihrer Freundin Wibrandis und ihrem Mann Bucer das Versprechen ab, dass die beiden heiraten mögen, damit Elisabeths 13 Kinder ein geordnetes Zuhause haben. 1542 heiratete die dreifache Witwe Martin Bucer, der ebenfalls Reformator im Elsaß war. Zu ihren eigenen Kindern und den Kindern Bucers kamen noch zwei Kinder aus dieser Ehe und ein angenommenes Kind dazu. Auch Ihre Mutter und Bucers Vater wohnten im selben Haushalt. Sie kümmerte sich um diese große zusammengewürfelte Familie und selbstverständlich auch noch um Hilfsbedürftige. Als Folge des Augsburger Interims musste Bucer Straßburg verlassen. Er ging vorerst allein nach Cambridge, wo man ihm einen Lehrstuhl anbot, und außerdem arbeitete er auch an der anglikanischen Kirchenordnung. Bald folgte ihm Wibrandis mit allen Kindern und ihrer Mutter und dem gesamten Hausrat nach Cambridge nach. Er war nicht glücklich in England, erkrankte 1551 und starb im Februar und wurde in Cambridge begraben. Mit Hilfe und Unterstützung kehrte Wibrandis mit ihrer Familie über Straßburg nach Basel zurück. Sie starb bei einer Pestepidemie 1564 und wurde im Basler Münster neben ihrem zweiten Ehemann Oekolampad beigesetzt. Sie brachte in ihren vier Ehen 11 Kinder zur Welt, war immer auch für alle Kinder aus den Ehen ihrer Männer eine gute Mutter, half Glaubensflüchtlingen aus aller Herren Ländern und hatte für Bedürftige, wo immer sie lebte, eine offene Tür – die Frau dreier Reformatoren. Bild: Wibrandis Rosenblatt © 2017 Harmen Jansen