Severin Haedereus

SEVERIN HAEDEREUS (1597-1600)

 Er stammte aus Westfalen. Im September 1591 traf er von seinem vormaligen Posten eines Predigers in St. Pölten in Waidhofen als Kooperator ein. Beim Brand des Pfarrhofs, der 1592 wütete, verlor er einen Großteil seiner Bücher, um die ihm sehr leid war.

1596 begab sich Haedereus nach Padua, wo er das theologische Doktorat erwarb und dann über Rom, Loretto, Trient, Innsbruck im Mai 1597 nach Waidhofen zurückkehrte, wo er bald Pfarrer wurde. Er war nach langer Zeit wieder der erste, der auch formell am 4. 10. 1597 durch den Bischof von Passau investiert wurde.

Haedereus hatte die Ehre, am 21. 2. 1599 die erste Predigt in der nach den Wirren der Reformation wieder in katholische Verwendung gelangten Steyrer Stadtpfarrkirche zu halten.

Er galt ob seiner exzellenten Bildung und seines gewinnenden Wesens als besonders geeignet, protestantische Christen zum katholischen Glauben zurückführen zu können, wie seine Einladung durch Offizial Khlesl zu einem Disput mit der Familie Liechtenstein beweist. Haedereus agierte „undercover“ in Zivil auf Anraten des Offizials, erreichte einige „Achtungserfolge“ im Disput mit dem „Hausprädikanten“, konnte aber die alte Gräfin um derentwillen das Unternehmen gestartet wurde nicht bewegen, so wie ihre Kinder katholisch zu werden.

Er ließ auf seine Kosten im April 1599 die Seitenemporen in der Stadtpfarrkirche errichten und führte Christenlehren ein. Leider starb er kaum vierzigjährig am 18. Februar 1600 an der „ungarischen Krankheit“ (Fleckfieber) und wurde hier am 22. 2. in Gegenwart von 16 Priestern begraben.

Dieser hochgebildete Pfarrer hatte 1592 als Kaplan von Waidhofen bei einem Brand des Pfarrhofs fast alle seine Bücher eingebüßt. Er muss sich aber bald wieder eine Bibliothek zugelegt haben, aus der vor allem kontroverstheologische Schriften auf uns gekommen sind. Neben den Schriften Bellarmins las Haederus auch noch andere profunde Werke, die allesamt seinen Eigentumsvermerk tragen und im Pfarrarchiv vorhanden sind:

  • Ein Evangelienkommentar zu Lukas und Johannes, Pont-à-Mousson, 1597 des Autors Juan Maldonado (15331583). Dieser war ein spanischer Jesuit, Hochschullehrer und Bibelexperte der Renaissance, dessen Schriften sehr populär waren.
  • „Eine literarische Werkstatt“ von Jean Tixier de Ravisi in der Überarbeitung von Conrad Lycosthenes, Basel 1552.

Dieses Werk des französischen Humanisten stellt dem humanistischen Redner und Poeten Bauteile bereit, die er an passender Stelle in seinen Text einfügen kann. Eine Hilfe auch für den Prediger.

  • Ein Predigtbuch des Ioannes Ferus Moguntiae.

Johannes Wild (Ferus), Franziskaner-Domprediger von Mainz, soll mit seinen Predigten erreicht haben, dass Mainz katholisch blieb. Das vorliegende Buch ist eine Anleitung für Predigten zu Texten des Johannesevangeliums. Randnotizen beweisen, dass es der Eigentümer Severin Haeder tatsächlich benützt hat.

  • Thomas Stapleton, Apostolische Entgegnungen auf zeitgenössische Häresien, Antwerpen 1595

Thomas Stapleton (15351598) war als englischer Kontroverstheologe ein produktiver Schriftsteller und verteidigte die Autorität der Kirche, ohne die Oberherrschaft des Papstes vollständig anzuerkennen.

Officium hebdomadae sanctae, secundum consuetudinem ecclesiae Catholicae. Ad usum Catholicorum per Germaniam. (München, Adam Berg) 1571.

 Gottesdienst in der Karwoche gemäß den katholischen Bräuchen

Das Buch war in allen deutschen Landen weit verbreitet und wurde auch sehr benützt, wie handschriftliche Einträge beweisen. Diese beziehen sich auch auf Korrekturen nach römischen Gebräuchen, wie Pfarrer Haeder sie möglicherweise selbst bei seinem Romaufenthalt kennengelernt hat. Es stellt ein Zeugnis für die Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes in Waidhofen dar.                                                                                           Dechant Mag. Herbert Döller