Rosina Steinauer

Rosina Steinauer

Rosina kam in Lunz am See am 12. Jänner 1718 als Tochter eines Bauern zur Welt. Sie wurde im Sinne ihrer Vorfahren protestantisch erzogen, obwohl dieser Glaube zu der Zeit noch immer verboten war. Ihr Vater verheiratete sie mit einem glaubensstarken Lutheraner und kaufte ihnen einen Bauernhof in Baichberg am Fuße des Sonntagberges. In den Matriken der Pfarre Allhartsberg, zu der Baichberg gehörte, ist am 26. April 1744 eine Hochzeit zwischen Richardus Steinauer, ledig „von Kothberg aus Reither Pfarr“ und einer gebürtigen Rosina Grabner, ledig aus „Ramsau Gebiet Lunz“, eingetragen. Auf Grund der Vermutung, dass sie Geheimprotestanten waren, mussten sie durch die Obrigkeit viele Repressalien, Verhöre und Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. All dies überstand die Familie unbeschadet. Man fand aber bei ihnen keine evangelische Bibel oder Predigtbücher. Sie versteckten sie angeblich unter dem Saustallboden. Trotzdem blieben sie dem Glauben treu. Auch knüpfte Rosina Kontakte mit Gleichgesinnten. Als 1781 das Toleranzpatent Josephs II. kam, pilgerte Rosina bereits 64jährig das in 20 km entfernte Scharten in ein evangelisches Bethaus zu einem protestantischen Gottesdienst mit Abendmahl. Sie forderte auch Freunde auf, sich nun, wo es erlaubt sei, evangelischen Glauben zuzuwenden. Eine kleine Gruppe von 20 Personen bekannte sich gegenüber der Obrigkeit dann auch dazu. Dafür musste sie sogar ins Gefängnis. Diesen sonntäglichen Marsch nach Scharten und später nach Neukematen machte sie bis kurz vor ihrem Tod. Sehr gründlich und ausführlich beschäftigte sich Pater Benedikt Wagner, Archivar im Stift Seitenstetten, mit Rosina Steinauer und der Schlusssatz seines Artikels lautet: „… Wenn wir aber bedenken, dass sie das prachtvolle Gotteshaus in nächster Nähe hatte und dennoch 20 Stunden pilgerte, um das ärmliche Bethaus in Scharten aufzusuchen, dann ist es wohl angebracht, vor dieser unbeirrbaren und opferbereiten Glaubens-überzeugung den Hut zu ziehen.“ Sie starb am 16. August 1794. Rosina Steinauer ist ein Beispiel dafür, dass es weder durch erzwungene Bekehrung noch durch Auswanderung gelang, den Protestantismus in unserer Region zur Gänze auszurotten.

Foto: Neukematen © Janda