Paul Rebhuhn

Paul Rebhun – Lehrer, Dichter und Prediger

Paul Rebhun, der sich der Mode der Zeit nach Paul Pendrix – griechische Bezeichnung für Rebhuhn – nannte, soll wie auch sein Bruder Johannes der Überlieferung nach aus Waidhofen an der Ybbs stammen.  Georg Jakob Schwindel schrieb 1739 ohne Angabe der Quelle, dass Paul Rebhun und sein Bruder Söhne des Rotgerbers Hans Rebhun, Bürger der Stadt Waidhofen an der Ybbs, waren und nach Sachsen zur Zeit der Reformation kamen. Der Historiker Gottfried Frieß (1867-1904) konnte in den Ratsprotokollen der Stadt Waidhofen an der Ybbs zum Jahr 1557 eine Familie Rebhun finden. Es ist trotz weiterer Suche in den Orten des Erzherzogtums Österreich unter der Enns kein Rebhun im 16 Jahrhundert gefunden worden. Daher kann die Angabe von G.J. Schwindel als gesichert gelten. Von seinem Lebenslauf ist nur wenig bekannt, sein Geburtsjahr müsste um ca. 1500 gewesen sein, auch wissen wir nicht, wann er nach Sachsen übersiedelte. Er war in Wittenberg und befreundet mit Melanchthon und er kannte Luther. Genaues weiß man erst ab 1526. Da war er nämlich Lehrer in der Lateinschule zu Zwickau. Er verließ 1529 Zwickau und ging nach Kahla. In dieser thüringischen Kleinstadt schrieb er das Drama „Ein geistlich Spiel von der gottesfürchtigen und keuschen Frau Susanna“. Es wurde am 1. Fastensonntag 1535 aufgeführt und von seinem Schwager Wolfgang Meyerpeck im Jahr darauf gedruckt. In diesem Jahr wurde Rebhun nach Zwickau an die Lateinschule zurückberufen. Danach übernahm er die Leitung der Stadtschule in Plauen und auch das Predigeramt. Am 1. Mai 1538 wurde Paul Rebhun in Wittenberg von Luther ordiniert und wirkte weiter in Plauen. Auf Empfehlung von Luther und Melanchthon bestellte Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen Rebhun 1542 zum Pfarrer in Oelsnitz und zum Superintendenten des Bezirkes Voigtsberg im Vogtland. Sein letzter Lebensabschnitt war voll der Anerkennung, aber auch gleichzeitig eine Zeit der großen Entbehrungen. Er bezog kein festes Gehalt und musste sich vom Pfarracker erhalten. Dazu war er körperlich weder in der Lage noch verstand er etwas von der Landwirtschaft. Nach vielen Sorgen und Demütigungen erhielt er dann doch ein ausreichendes Gehalt im nächsten Jahr. In dieser schweren Zeit unterstützte ihn auch Bruder Johannes. Am 10. Mai 1546 starb Paul Rebhun in Oelsnitz, tief betrauert von Frau, Bruder und seinen Pfarrkindern. Er war ein Prediger, Lehrer und Dichter. Er war der bedeutendste Dramatiker seiner Zeit. Während sich seine Zeitgenossen noch dem Knittelvers verschrieben hatten, beschritt Paul Rebhun in der Ausführung der Metrik, dem Aufbau der einzelnen Akte, der Sprache seiner Darsteller und der Einführung von Zeitsprüngen völlig neue Wege. Er reformierte das deutsche Drama. So steht heute Rebhun als unvergessener Dramatiker und Reformer der Verskunst in der Geschichte der deutschen Literatur und ebenso als Prediger im Sinne Martin Luthers in der Geschichte der Reformation.

Sein Bruder Johannes Rebhun war 1546 Kantor in Oelsnitz und wurde kurz nach Pauls Tod Pfarrer in Großzöbern. 1561 wechselte er nach Eichting, wo er 28 Jahre bis zu seinem Tod blieb. Bis 1852, also zwei Jahrhunderte, dauerte die „Rebhun-Theologendynastie“, in der dem Vater immer der Sohn als Pfarrer nachfolgte.                                                                                   Foto: Waidhofen /Ybbs © Janda