Olympia Morata

Olympia Fulvia Morata

Es gab eine Vielzahl interessanter Frauen in der Reformationszeit, die in drei große Gruppen eingeteilt wurden. So gab es die Frauen der Reformatoren, die Frauen im Dienste der Reformation und die Fürstinnen, die sich für die Reformation engagierten. Sie waren alle sehr gebildet und durch sie lernen wir das Leben in der beginnenden Neuzeit kennen. Eine von ihnen war die in Ferrara 1529 geborene Olympia Fulvia Morata. Sie wurde am Hof des Herzogs Alfonso I. d’Este, wo ihr Vater Latein und Griechisch unterrichtete, gemeinsam mit der Tochter des Herzogs erzogen. Ihr Vater hat früh erkannt, welche Begabungen in seiner Tochter steckten und hat sie gefördert, wo er nur konnte. Mit 12 Jahren beherrschte sie die antiken Sprachen, verfasste Gedichte und beherrschte die sieben Disziplinen der Freien Künste perfekt: Grammatik, Rhetorik, Logik, Astronomie, Musik, Arithmetik und Geometrie. Dies war der klassische Bildungskanon eines gelehrten Mannes und Vorstufe zum Studium der Theologie, der Jurisprudenz sowie der Medizin. Mit 15 Jahren hielt sie öffentliche Vor-lesungen über Cicero, dichtete in Griechisch und Latein und war eine der bekanntesten Humani-stinnen der Renaissancezeit. Ein Freund der Familie, der Reformator Coelio Curione, war einer der ersten Italiener, der des Glaubens wegen flüchten musste. Er machte auch seinen Freund Morata mit der neuen Glaubenslehre bekannt. Olympia war ebenfalls begeisterte Leserin der neuen Schriften. Während Curione nach Basel fliehen musste, genoss Olympia zunächst noch ihr sorgloses Leben am Hof von Ferrara. Hier lernte sie den deutschen Arzt Andreas Grundler aus Schweinfurt kennen. Als ihr Vater erkrankte, pflegte sie ihn. Nach seinem Tod 1548 musste sie den Hof verlassen. Sie heiratete den deutschen Arzt, der auch ein Anhänger der neuen Lehre war, und übersiedelte mit ihm und ihrem achtjährigen Bruder Emilio 1550 nach Deutschland, wo ihr Mann eine Stelle als Stadtarzt in Schweinfurt erhielt. Sie unterrichtete Latein und Griechisch und vertiefte sich in alle reformatorischen Schriften. Ihr Wohnhaus wurde zum Treffpunkt der geistigen und geistlichen Elite der Stadt. Katholische Truppen eroberten schließlich Schweinfurt und Olympia, ihr Mann und ihr Bruder konnten ihr Leben nur durch Flucht retten, aber verloren dabei alle materiellen Güter. Olympia erkrankte und sie fanden bei den Grafen Eberhard und Georg von Erbach Unterschlupf. Andreas Grundler, der seine gescheite Frau sehr schätzte, konnte sie hier gesund pflegen. Die Grafen boten ihm auch einen Lehrstuhl für Medizin an der Universität in Heidelberg an. So übersiedelten sie nach Heidelberg, wo der Gräzist Jacobus Milcyllus Olympia einlud, griechischen Privatunterricht an der Universität zu erteilen. Als sie merkte, dass ihre Kräfte schwanden, schrieb sie an den alten Freund Curione einen letzten Brief und sandte ihm auch ihre Gedichte, die sie aus dem Gedächtnis rekonstruierte, da sie bei der Zerstörung Schweinfurts verloren gegangen waren. 1555 erkrankte sie dauerhaft und starb 29jährig noch im selben Jahr an Tuberkulose. Wenige Wochen später folgten ihr auch Ihr Mann und ihr Bruder, die beide an den Folgen der Pest verstarben. Coelio Curione, der zum Herausgeber ihres Werkes wurde, das sowohl griechische wie lateinische Reden, Dialoge, Briefe, Gedichte und Gesänge beinhaltete, schaffte es, das Wirken seiner Freundin Olympia Fulvia Morata für die Nachwelt zu erhalten und unsterblich zu machen. Die lateinische Grabinschrift in der Heidelberger St. Peterskirche erinnert bis heute an eine großartige Frau, die beinahe die wohl erste Professorin an einer deutschen Universität geworden wäre.

Bild: Grabinschrift O.F. Morata Heidelberg  St. Peter © Akademie der Wissenschaften Heidelberg