Melanchthon

Philipp Melanchthon

Philipp Melanchthon war einer der ganz Großen im Kreise der Reformatoren und ein Freund Luthers. Geboren wurde Melanchthon am 16. Februar 1497 in Bretten, im heutigen Kraichgau in der Kurpfalz. Er wuchs im Hause des Großvaters auf, eines geachteten Kaufmanns und Bürgermeisters. Sein Vater war am Heidelberger Hof tätig, und zwar als Waffenschmied und als Leiter der kurfürstlichen Waffenkammer. Nach dem Tod des Vaters verließ Philipp seine Heimatstadt Bretten und trat im nahen Pforzheim in die Lateinschule ein und wurde „Melanchthon“. Es war sein Großonkel Johannes Reuchlin, der zum Vergnügen aus dem kleinen „Schwarzerdt“, so sein eigentlicher Name, durch die Übertragung ins Griechische „Melan-chthon“ („schwarze Erde“) machte, eine Art Humanistentaufe. Heidelberg und Tübingen waren die Universitätsstationen des begabten Studenten, der sich bereits mit 21 Jahren Professor für Griechisch nennen durfte, 1518 der Erste seines Faches an der Universität Wittenberg. Diese junge, 1502 gegründete Universität öffnete sich von Beginn an modernen Lehrinhalten. Der junge Professor aus dem Süden war auf den ersten Blick keine beeindruckende Erscheinung. „Vermeintest, er wäre ein Knab gewesen“, schreibt ein Student, fügt aber sogleich hinzu, „von Geist aber ein Ries.“ Bewunderung befiel die Zeitgenossen, wenn sie die beeindruckende Breite des Wissens, die Präzision des Denkens und die Klarheit der Sprache ins Auge fassten. Schon seine Antrittsvorlesung nur drei Tage nach der Ankunft in Wittenberg begeisterte die Zuhörer, unter ihnen Martin Luther. „Über die Verbesserung der Studien“, so lautet der selbstbewusste Titel der Rede, in der Melanchthon sein Programm, antike Schriften und biblische Bücher im Original zu behandeln, vorstellte. Wer diesen Berg an gedrucktem Wissen betrachtet, könnte in dem Autor einen trockenen Stubengelehrten vermuten. Doch Melanchthons Alltag war weitaus vielfältiger. Da Luther in kaiserlicher Acht und päpstlichem Bann stand, durfte er das sächsische Herrschaftsgebiet nicht verlassen, so dass Melanchthon zum „Außenminister der Reformation“ avancierte. Im historischen Gedächtnis konzentrierte sich der Augsburger Reichstag auf den 25. Juni 1530, auf den Tag der Verlesung der „Confessio Augustana“. Doch Melanchthon hielt sich fast fünf Monate in Augsburg auf, eine Zeit voller Verhandlungen, Abstimmungsgesprächen und des Schreibens des bis heute wirkmächtigsten evangelischen Bekenntnisses. Ein Drittel seines Lebens war Melanchthon fern von seinem Wittenberger Schreibtisch, auf Reisen zu Reichstagen und Religionsgesprächen, auf Visitationen in Kirchgemeinden und Schulen. Eine Reise führte ihn 1526 beispielsweise nach Nürnberg, wo er das erste (humanistische) Gymnasium in Deutschland eröffnete, nachdem er zuvor für diese „obere Schule“ einen Lehrplan mit den Kernfächern Latein, Griechisch, Rhetorik und Mathematik verfasst hatte. Melanchthon heiratete 1521, oder sollte man besser sagen, wurde verheiratet, da Luther mit der Wittenbergerin Katharina Krapp die künftige Frau aussuchte, um seinen jungen und sich gegen den neuen Stand sträubenden Kollegen besser versorgt zu wissen. Vier Kinder wurden geboren, der Sohn Georg starb bereits mit fast drei Jahren. Die jüngere Tochter Magdalene lebte mit Mann und Kindern in einem eigenen Haus auf dem elterlichen Grundstück und besorgte nach dem Tod der Mutter den Haushalt des Vaters. Melanchthons letzte Jahre waren verdüstert: durch die Erfahrung der konfessionellen Spaltung, durch die zermürbenden Streitigkeiten im eigenen Lager und durch private Schicksalsschläge. Etwas milderte die Freude an den Enkeln sein hartes Los. Die Kinder spielten nicht selten im Arbeitszimmer des berühmten Großvaters. Wenige Tage vor seinem Tod bereitete sich Melanchthon auf das Sterben vor, auch jetzt noch der klar strukturierte Intellektuelle, der dem Tod wach und voller Gottvertrauen entgegensah. Am 19. April 1560 legte er in Wittenberg im Glauben und in der Hoffnung auf Jesus Christus sein Leben in Gottes Hände. Sein Grab steht bei dem Luthers in der Wittenberger Schlosskirche.

Bilder :J. Jonas von L. Cranach d. Ä., ©Luthergedänkstetten Sachsen – Anhalt, Schrift Melanchton, gedruckt von Lufft in Wittenberg © wikipedia.at Haus Melanchton in Wittenberg ©wikipedia.at