Margarethe Prechtl

Margarethe Prechtl, geborene Pruggner

Margarethe Pruggner aus Freistadt (OÖ) war die Tochter eines reichen Freistädter Messerermeisters und ist wahrscheinlich um 1490 geboren. Mit seiner zweiten Frau hatte der Meister fünf Töchter, von denen zwei in Waidhofen verheiratet waren.

Ehen zwischen Eisengeschmeidehändler-Familien waren angesichts weit verzweigter Handelsbeziehungen keine Seltenheit. Besonders zwischen den Städten Waidhofen und Freistadt gab es solche Beziehungen. So war Margarethes ältere Schwester Katharina mit dem Waidhofner Stadtrichter Erhard Wild verheiratet. Man kann annehmen, dass auch Margarethes Ehe mit dem Hammerherrn Prechtl von ihrer älteren Schwester arrangiert wurde. Auch er war Mitglied des Stadtrates 1541, 1549 und 1555 und ein vermögender Mann. Sie selbst brachte in die Ehe eine beträchtliche Mitgift, so darf man Margarethe Prechtl als eine sehr gute Partie bezeichnen. Eine Mitgift, die sich auch heute noch beachtlich liest: zwei Höfe zu Partzheim, eine Hube zu Ölling, die Mühle zu Partzheim, zwei Lehen am Oberen Dürnberg, drei Lehen zu Arbing, eine Hube zu Arbing, die Luftenhube in der Talheimer Pfarre und eine Wiese zu Windpassing mit allen Rechten. Waidhofen war das Zentrum der Besitzungen des Hochstifts Freising im Ybbstal und durch die lange Tradition der Eisenverarbeitung auch Lieblingsort des Bischofs. Die Erzvorkommen am steirischen Erzberg wurden in den waldreichen Voralpentälern südlich und nördlich des Erzberges verhüttet und zu fertigen Produkten weiterverarbeitet.

Im Dezember des Jahres 1555 laut Eintragung im Ratsprotokoll ist Hans Prechtl verstorben und hinterließ seiner Frau zu ihrer Mitgift auch noch ein beträchtliches Vermögen, und zwar den Prechtl`schen Meierhof, das Hammerwerk und ein Wohnhaus in der Stadt. Nach heutigen Maßstäben könnte man sie als eine mehrfache Millionärin bezeichnen. Nur wenige Jahre später, am 21. Juni 1559, ließ Margarethe Prechtl vom Stadtschreiber Ebenperger ein Testament aufsetzen. Es umfasst 20 handgeschriebene Seiten und trägt das Siegel der Erblasserin und Unterschriften von sieben Zeugen. In einem Artikel der Archivarin Eva Zankl von Waidhofen an der Ybbs heißt es: Die Erblasserformel, die lediglich die heilige Dreifaltigkeit, jedoch nicht Maria erwähnt, macht deutlich, dass es sich um das Testament einer Protestantin handelt. Schon im ersten Punkt erkennt man die gläubige Christin: „Erstlich stelle ich meinen willen in den Willen Gottes […] willig zu sterben und seinem göttlichen willen gehorsam zu sein bis in den Tod […]“. Die Testamente dieser Zeit zeigen allesamt das Bemühen, durch fromme Zuwendungen für das eigene Seelenheil oder nahestehende Personen vorzusorgen. So stiftete auch Margarethe Prechtl einen Teil ihres Vermögens den armen Leuten im Bürgerspital und dem Siechenhaus. Die je 300 Pfund Pfennige sollten von der Stadt verzinslich zu 2% angelegt und die jährlichen Erträge von 15 Gulden den Institutionen ausbezahlt werden. Besonderes Augenmerk verdient das Legat, das in Punkt 5 des Testaments behandelt wird und mit 400 Pfund Pfennigen beziffert wurde. Die jährliche Verzinsung von 20 Gulden sollte je zwei „erbarn, frumben Armen Bürgers- oder Handtwerchstöchtern, weliche sich mit wissen Irer Eltern oder nechsten Freundt Eerlich verheuratten…“ zu Gute kommen. Erstmals genannt wurde eine Auszahlung von 10 Pfund Pfennig an die Tochter des Michaeln Zehetleutner im Jahr 1563, wodurch vermutet werden kann, dass Margarethe Prechtl zu diesem Zeitpunkt schon verstorben war. Die letzte Eintragung in einem Rechnungsbuch des Oberkammeramtes der Stadt Waidhofen an der Ybbs aus dem Jahr 1907 bestätigt die Auszahlung von 16,80 Kronen an Maria Bastl, Josefa Schinagl und Magdalena Egger zu je 5,60 Kronen. Unglaubliche 344 Jahre lang hatten jährlich junge Frauen in Waidhofen Grund zur Freude über diese Zuwendung, war sie doch oftmals die einzige Möglichkeit für eine Mitgift und damit überhaupt erst für eine Eheschließung.

Viele Menschen in Waidhofen wussten gar nicht, dass sie einer evangelischen Stifterin über 3 Jahr-hunderte eine Unterstützung verdankten.