Kindheit und Domschulen

1490 – 1497

Kindheit und Domschulen

Schon der Großvater Heine Luder, im Dorf Möhra ansässig, gehörte zu den wohlhabenderen Bauern. Weil der jüngere Sohn den Hof übernahm, musste Hans Luder, Martins Vater, einen anderen Beruf ergreifen. So kam es, dass er Berghauer wurde und sich hocharbeitete zum Hüttenmeister. Durch die Heirat mit Margarete Lindermann, Tochter aus einer wohlhabenden Familie, konnte er sich dann um eine Abbaukonzession in Mansfeld bewerben. Martin hatte auch einen jüngeren Bruder, der das väterliche Unternehmen einmal übernehmen würde, so war es erforderlich, dass er einen anderen Beruf erlernen musste. Sein Vater wollte, dass Martin eine juristische Laufbahn einschlagen sollte. Daher war die Erziehung im Hause Luder streng und darauf ausgerichtet, dass sein Sohn Martin, der ein zurückgezogener begabter Schüler war, seine Lernziele erreichte. Um die Lebensbedingungen der Familie zu verbessern, übersiedelten sie nach Mansfeld, wo der Vater in den lukrativen Kupferschieferbergbau einstieg. Dort besuchte Martin auch die Trivialschule. Die Schule lag vis a vis von der Kirche, der heute noch, obwohl evangelisch, vier geschnitzte gotische Flügelaltäre in der Apsis stehen, die als Armenbibeln dienten und die Volksfrömmigkeit fördern sollten. Als Vierzehnjähriger ging Luder nach Magdeburg an die Schule der „Brüder vom gemeinsamen Leben,“ einer dem Humanismus zugeneigten religiösen Gemeinschaft, die ihn prägte und seine Frömmigkeit sehr beeinflusste. Im Jahr 1498 kam er zu Verwandten und Bekannten seiner Mutter in ihre Heimatstadt Eisenach. Zur Schule ging er an die städtische St. Georgspfarrei, eine strenge Erziehung war zu dieser Zeit bei den Schülern genauso üblich wie das „Erbetteln“ des Unterhalts durch Singen. Diese Schulen, so vermutet man, haben den jungen Menschen mit dem neuen Zeitgeist des Humanismus, der von der Neuentdeckung des antiken Ideals, das von der Achtung der Würde des Menschen geprägt ist, in Verbindung gebracht. Dass dabei die Religion eine zentrale Rolle einnahm, war durch die mittelalterliche Frömmigkeit in den Kreisen, in denen er lebte, kein Wunder. Die religiösen Zirkel, die er in seinen Schulen durchlief, förderten dies noch. Die Angst, vor dem Tod nicht die Vergebung der Sünden erreicht zu haben, beschäftigte die Gedanken der Menschen damals sehr.

Foto: Schule in Eisleben ©Janda