Justus Jonas

Justus Jonas

Als Jobst Koch wurde er in Reichsstatt 1493 geboren und wuchs in seinem Elternhaus auf. Sein Vater war Jonas Koch, dessen Vornamen er später als Familiennamen verwendete, gehörte der städtischen Oberschicht an und hielt den Kontakt mit den benachbarten Adeligen. Justus besuchte die Lateinschule und dann die Universität in Erfurt, die sich dem Einfluss des Humanismus geöffnet hatte. Er hörte mit Begeisterung die Vorlesungen des Eobanus Hessus, der ihn für die Ideen des Erasmus von Rotterdam begeisterte. Bereits 1510 erreichte Jonas den Grad eines Magister Artium. 1511 ging er nach Wittenberg an die Leucorea genannte Universität und nahm unter Henning Göde juristische Studien auf, die er 1513 mit dem Bakkalaureat abschloss. Mit diesem Wissen stand er den Pfarrern und Gemeinden sein ganzes Leben immer mit Rat und Tat zur Seite. In Wittenberg befreundete er sich mit Georg Spalatin. Er kehrte nach Erfurt zurück und empfing 1516 die Priesterweihe. Jonas predigte erstmals im selben Jahr auf dem Erfurter Domberg und hielt an der Universität kirchenrechtliche Vorlesungen über die Paulusbriefe. Am 16. August 1518 wurde er zum Lizentiat beider Rechte (iuris utriusque) promoviert. In der Zeit seines Rektorats, in der sich Jonas verstärkt der Theologie zuwandte, wurden die Erfurter und die Pariser Universität als Schiedsrichter der Leipziger Disputation Johannes Eck gegen Martin Luther eingesetzt. Durch den Kontakt mit den Wittenberger Theologen fand bei Jonas ein umwandelnder Prozess statt, der aus dem begeisterten Erasmusverehrer einen Weggenossen Luthers machte. 1521 bekam er vom Kurfürst Friedrich dem Weisen auf Empfehlung Spalatins die Stelle des Propstes in der Schlosskirche zu Wittenberg. Justus Jonas begleitete Luther zum Reichstag nach Worms und  demonstrierte dabei den Schulterschluss mit den Reformatoren. Nach der Rückkehr beschloss er den theologischen Doktorgrad anzustreben. Er promovierte im Oktober und wurde gleich in die Theologische Fakultät aufgenommen. Als Gegner des Zölibats heiratete er am 9. Mai 1522 Katharina, die Tochter des adligen Erich Falck aus Bleddin. Ab 1522 behandelte Jonas bei seinen Wittenberger Vorlesungen den Römerbrief und die Apostelgeschichte. Er legte sie genau wie Luther deutsch und lateinisch aus. Äußerst wichtig waren die Übersetzungsarbeiten des Justus Jonas sowohl von Latein auf Deutsch als auch umgekehrt der wichtigen reformatorischen Arbeiten wie bei der „Confessio Augustana“. Auch bei der Bibelübersetzung Luthers war er ein bedeutungsvoller Helfer und Diskutant. Aus dem beharrlichen Kampf gegen die altgläubigen Kräfte hatte sich zwischen ihm und Luther eine intensive wie herzliche und vertraute Arbeitsgemeinschaft und Freundschaft entwickelt. Niemand hatte den oft verzweifelten und depressiven Luther so aufrichten können wie Jonas, was aus den Tischreden Luthers bekannt ist. Auf Weisung Johann Friedrichs I. von Sachsen sandte man Jonas 1541 nach Halle. Nach kurzer Zeit waren dort in allen drei Kirchen evangelische Prediger tätig. Jonas verfasste nach dem Vorbild der Wittenberger Kirchenordnung 1543 die Hallesche Kirchenordnung und veränderte auch das Schulwesen. Zwei Jahre später wurde er per Urkunde zum Superintendent erhoben. Im Januar 1546 begleitete Jonas Luther auf dessen Reise nach Mannsfeld als Rechtsbeistand bei der Verhandlung über die Bergwerkseinkünfte und die Stiftung einer neuen Schule. Bei diesen schwierigen Verhandlungen erkrankte der bereits gesundheitlich angeschlagene Luther und Jonas stand ihm während seiner letzten Lebensstunden im Gebet bei. Am 18. Februar früh um 3 Uhr stellte Jonas selbst den Tod Luthers fest. Auf Grund des Schmalkaldischen Kriegs musste Jonas samt Familie Halle verlassen, zog nach Eisleben, dann nach Mannsfeld und schließlich nach Magdeburg. Auf Melanchthons Initiative hin erhielt er im Juni die Berufung zum Superintendenten in Hildesheim. Das Amt trat er tatsächlich an, kehrte jedoch 1548 unter großem Jubel der Bevölkerung nach Halle zurück und betätigte sich als Schlichter in den Fragen des Augsburger Interims und der Leipziger Artikel. Jonas blieb noch bis 1550 in Halle und folgte im Juli einem Ruf des Herzogs Johann Ernst I. nach Coburg.

Trotz gesundheitlicher Probleme trat er den Dienst als Superintendent in Coburg an, wo er den Kampf zur Ausformung der evangelischen Lehre fortsetzte. Jonas wurde von Johann Friedrich I. von Sachsen beauftragt, die Verhältnisse im evangelischen Regensburg zu ordnen. Innerhalb von einigen Wochen hatte Jonas die Aufgabe trotz Krankheit in aller Stille erfüllt. Die ewigen Streitigkeiten um die theologischen Auslegungen zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen zermürbten ihn. Nach all den Streitigkeiten war für ihn der Augsburger Religionsfrieden eine Genugtuung. Wenige Tage danach, am 9. Oktober, starb er im Beisein seiner Frau. Seine letzten überlieferten Worte waren: „Herr Jesu Christe, in deine Hände befehl ich mein Seelichen, du hast mich erlöset.“ Bilder :J. Jonas von L. Cranach d. Ä., ©Luthergedänkstetten Sachsen – Anhalt, Titelbild der lateinischen Übersetzung der Confessio Augustana, wikipedia.at Grabstein Justus Jonas, wikipedia.at