Johannes Oekolampad

Johannes Oekolampad

Johannes Oekolampad wurde in Weinsberg geboren. Der Geburtsname war Johannes Heussgen, den er, wie in dieser Zeit üblich, ins Griechische übersetzte. Ab 1499 studierte Oekolampad in verschiedenen Städten Theologie, Hebräisch und klassische Sprachen. Bis 1508 war er pfälzischer Prinzenerzieher in Mainz. 1510 wurde Oekolampad zum Priester geweiht und bekam eine Pfarrstelle an der Johanneskirche in Weinsberg. Dort erregte er mit seinen reformorientierten Predigten Anstoß und verließ daher die Stadt 1518.

Er ging nach Basel, wo er Mitarbeiter von Erasmus von Rotterdam bei der Edition des Novum Instrumentum omne wurde und an der Universität zum Doktor der Theologie promovierte. 1518 wurde er durch Capito ans Basler Münster berufen, bald darauf an den Dom in Augsburg, wo kurz vorher das Verhör zwischen Martin Luther und Thomas Cajetan stattgefunden hatte. Bis dahin der Tradition von Erasmus verpflichtet, studierte er die Schriften Luthers, geriet deshalb mit Johannes Eck aneinander und zog sich 1520 in das Kloster Altomünster zurück. Dort übersetzte er weitere Kirchenväter und kam so weit, dass er sich der Lehre der Rechtfertigung durch den Glauben allein anschloss und seinen Standpunkt in zwei Schriften veröffentlichte. Darauf musste er das Kloster verlassen. 1522 ließ er sich endgültig in Basel nieder, wo er weitere patristische Schriften übersetzte. Es folgten harte Auseinandersetzungen auch mit Erasmus und Kontakte mit Huldrych Zwingli, Martin Bucer und Martin Luther. Bei der Abendmahlsfrage schloss sich Oekolampad der Sichtweise Zwinglis an. 1526 war er der Führer der Reformierten auf der Badener Disputation und führte das Gespräch gegen Johannes Eck. Doch der alte Glaube behielt hier noch das Übergewicht.

Oekolampad genoss hohes Ansehen, hatte jedoch nie eine so einflussreiche Stellung wie Zwingli in Zürich, zumal Basel Bischofssitz war. Durch den Druck der Bevölkerung kam es 1525 zur Säkularisierung einiger Klöster, 1528 zur Glaubensfreiheit für die Reformierten und 1529 zur Abschaffung des katholischen Gottesdiensts.

1528 bestritt Oekolampad mit Zwingli die Berner Disputation. Ab 1529 nahm er das höchste Amt der reformierten Kirche ein, behielt aber auch seine Bibelprofessur. An der Seite Zwinglis nahm er am Marburger Religionsgespräch teil, akzeptierte jedoch die von Zwingli abgelehnte Konkordienschrift Martin Bucers.

Im Jahr 1531 − wenige Wochen nach dem Tod von Ulrich Zwingli − starb Oekolampad. Sein Grab befindet sich im Basler Münster. Sein Nachfolger als Professor und Pfarrer wurde der Reformator Oswald Myconius.