Johannes Eck

Johannes Eck

Dr. Johannes Eck (* 13. 11. 1486 † 10. 2. 1543)nannte sich nach seinem Herkunftsort Eck an der Günz. Er erhielt seine erste Schulbildung durch einen Onkel, der Pfarrer in Rottenburg am Neckar war. Bereits mit zwölf Jahren besuchte der ungewöhnlich talentierte Bub die Universität Heidelberg, 1499 wechselte er nach Tübingen, wo er gerade fünfzehnjährig den Grad eines Magister artium erwarb. Er studierte Theologie und war als Lehrer an den unteren Fakultäten tätig. Er befasste sich mit Griechisch und Hebräisch und hörte auch Vorlesungen an der juristischen Fakultät. 1505 wurde er zum Baccalaureus Biblicus promoviert, 1510 schließlich zum Doktor der Theologie. 1508 hatte er in Straßburg die Priesterweihe empfangen. Seine Antrittsvorlesung hielt er an der Universität Ingolstadt, an der er 30 Jahre tätig war. Als Theologe beschäftigte sich Eck in dieser Zeit intensiv mit der Frage nach dem gerechten Zins. Darüber hinaus entstand Ecks erstes theologisches Hauptwerk, der Chrysopassus – eine Arbeit zu Gnade und Prädestination. Eck stand in dieser Zeit in ständigem brieflichem Austausch mit Martin Luther über theologische Fragen. Zum Bruch zwischen den beiden aufstrebenden jungen Theologen kam es durch die Publikation von Luthers Ablassthesen. 1519 begegneten Eck und Luther einander zum ersten Mal in der Leipziger Disputation, in der Eck Luther in der Frage seiner theologischen Grundlagen zur Festlegung auf das für die Reformation entscheidende Sola Scriptura „zwang“. Eck hatte vermutlich als erster (einziger?) erkannt, dass Luther nicht allein auf den Ablass und den Ablasshandel abzielte, sondern dass sein theologisches Denken auf eine völlige Abkehr vom bisherigen Wesen der Kirche hinauslief. Eck empfahl sich durch seinen Bericht von der Leipziger Disputation und sein Werk De Primatu Petri der päpstlichen Kurie als „Lutherspezialist“. Er reiste nach Rom und war wesentlich an der Abfassung der Bannandrohungsbulle Exsurge Domine von 1520 beteiligt. Papst Leo X. ernannte ihn zum Apostolischen Protonotar und zum päpstlichen Nuntius. Eck sollte für die Verbreitung der Bulle in Deutschland sorgen, was er auch tat, nicht ohne die Bulle durch die Nennung weiterer Namen neben Luther zu ergänzen. Von diesem Zeitpunkt an begann zwischen Luther und Eck eine Auseinandersetzung zu toben, die man weniger als theologischen Disput denn als Schlammschlacht bezeichnen muss. Beide Lager haben einander nichts erspart. Die Reformation wurde nicht nur zu Luthers, sondern auch zu Ecks Schicksal. Sein theologisches Werk ist von der Auseinandersetzung mit den von Luther, aber auch von anderen Reformatoren wie Zwingli (Abendmahlslehre) aufgestellten theologischen Fragen bestimmt. Eck prangerte auch seinerseits die Missstände in der altgläubigen Kirche an und machte Reformvorschläge. Wäre es nach ihm gegangen, so hätte man die theologischen Fragen, die die Reformatoren aufwarfen, bereits viel früher auf einem allgemeinen Konzil diskutiert, doch konnte er sich mit dieser Ansicht nicht durchsetzen. So blieb ihm nur die Auseinandersetzung in schriftlicher Form und bei den zahlreichen Religionsgesprächen. Daneben – und das wird meist völlig außer Acht gelassen – war Eck sein ganzes Leben lang stets in der Seelsorge tätig. Er hatte Pfarrstellen an beiden Ingolstädter Hauptkirchen inne. Er war als Mäzen und Wohltäter fassbar, der besonders ein Herz für arme Studenten hatte. Für das Münster schrieb er sein Pfarrbuch, das eine einzigartige Quelle für das liturgische Leben an einer Stadtkirche am Vorabend des Konzils von Trient darstellt.                           Bild: © Inschriftenkommission München, Akademie d. Wissenschaften.