Johannes Calvin

Johannes Calvin Johannes Calvin wurde in Frankreich als Sohn eines Verwaltungsbeamten am 10. Juli 1509 geboren. Seine Mutter erzog ihn mit aller Strenge und der althergebrachten Frömmigkeit. Beeinflusst durch seinen Griechischlehrer Melchior Volmar, kam er mit den Gedanken der Reformation in Berührung und war diesen zugeneigt. Wegen einer aufrührerischen Rede über Reformen in der Kirche musste er Paris verlassen. Den offiziellen Bruch wagte Calvin im Frühjahr 1534, als er in seiner Heimatstadt auf die ihm verliehenen Pfründe verzichtete; er wurde gefangen gesetzt, konnte aber flüchten. Im Oktober 1534 setzte nach Unruhen in der die Reformation fordernden Bevölkerung die Verfolgung der Protestanten ein; Calvin floh nach Straßburg und Basel. Calvin waren nicht nur religiöse, sondern auch soziale und moralische Fragen wichtig. Im August 1536 wurde er auf der Durchreise in Genf von dem Prediger Guillaume (Wilhelm) Farel geradezu gewaltsam festgehalten und überzeugt, in Genf für die Reformation zu arbeiten; dort war im Mai 1536 die Einführung der Reformation vom Volk feierlich beschlossen worden. Er predigte über den Römerbrief, organisierte die Gemeindeordnung und half beim Aufbau der Gemeinde. Als er die Teilnahme an einer monatlichen Abendmahlsfeier und die Einrichtung eines Rates von Ältesten zur Durchführung der Kirchenzucht forderte, besonders Letzteres stieß auf heftigen Widerstand, musste er Genf verlassen. Calvin ging über Basel nach Straßburg, wo er auf Initiative von Martin Bucer Prediger der französischsprachigen evangelischen Flüchtlingsgemeinde an der Nikolaikirche wurde und theologische Vorlesungen am Gymnasium hielt. Hier veröffentlichte er auch seine Bibelkommentare, kam in engen Kontakt mit der deutschen Reformation und lernte Philipp Melanchton kennen. Von Freunden aus Genf erhielt er eine Einladung zur Rückkehr zu der trauernden Mutterkirche. Calvins Antwort, eine Darstellung der Notwendigkeit für den Fortgang der Reformation, stieß auch auf den Beifall Luthers. 1540 heiratete er die Witwe Idelette de Bure, die Tochter eines in die reformatorische Kirche zurückgekehrten Täufers; sie hatten drei Kinder, die jung starben. Im September 1541 traf er in Genf ein, im November nahm der Rat der Stadt die von ihm erarbeitete Kirchenordnung an; sie sah vier kirchliche Ämter vor: Pastoren für Predigt und Seelsorge, Doktoren für den Unterricht, Älteste für die Kirchenzucht und Diakone für die Armenpflege. 1545 folgte der überarbeitete Genfer Katechismus mit 373 Fragen und Antworten. Seine Zucht und Ordnung fand nicht überall Zuspruch. Seine Frau starb. Es gab Streitigkeiten, dennoch errang die calvinistische Partei bei der Wahl zum Rat der Stadt 1555 den endgültigen Sieg, Calvins Arbeit wurde nun allgemein anerkannt, er konnte sich konzentriert dem Ausbau seiner Kirche widmen. Schon 1548 nahm er Kontakt zu den Anglikanern in England auf. Reformierte Gemeinden bildeten sich in den Niederlanden, Norddeutschland, Dänemark und Schottland. 1555 wurde in Paris eine reformierte Kirche eröffnet. Zehn Jahre lang dauerten Verhandlungen mit der Züricher Reformation unter Heinrich Bullinger, bis 1549 im Consensus Tigurinus 1549 ein erster Kompromiss in der Frage der Abendmahlslehre gefunden wurde. Eine Einigung mit den Lutheranern – deren Stimmführer der Hamburger Pfarrer Joachim Westphal war – scheiterte, weil dieser die von Calvin gesuchten Gespräche ablehnte.