Johannes Bugenhagen

Johannes Bugenhagen

 

Über Bugenhagens Jugend ist nicht sehr viel bekannt. Er soll am 24. Juni 1485 in Wollin in Pommern zur Welt gekommen sein und dort auch die Schule besucht haben. 1502 inskribierte er an der Universität Greifswald, die er jedoch ohne Abschluss nach zwei Jahren verließ, und ging als Lateinlehrer nach Treptow an der Rega und legte dort aus eigenem Antrieb die Bibel aus. Daraufhin wurde er 1509 in der Treptower Marienkirche zum Priester ohne Theologiestudium geweiht. Der Abt des Klosters Belbuck ließ den Autodidakten rufen, damit er den Mönchen die Heilige Schrift auslegte. Zur gleichen Zeit 1517 begann er im Auftrag seines Landesherrn Herzog Bogislaws X. mit den Arbeiten zu einer Chronik von Pommern. Dazu begab er sich auf eine ausgedehnte Reise durch Pommern und lernte dabei Luthers Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirchekennen. Er ersuchte brieflich um andere Schriften, die ihm Luther sandte, und zwar den „Tractatus de libertate Christiana“. Sehr von den neuen Gedanken berührt, begab sich Bugenhagen im März 1521 nach Wittenberg, wo er mit Luther und Melanchthon in einen engen Gedankenaustausch trat. Bei den Gesprächen wurde er immer mehr von dem neuen Glaubensverständnis überzeugt. Er hielt Vorlesungen an der Universität in Wittenberg, half bei den Übersetzungen und verfasste Sendbriefe. Seine Meinung zum Zölibat bekundete er durch die Heirat mit Walpurga Rörer am 13. Oktober 1522. Ein Jahr später wurde er vom Rat der Stadt zum Pfarrer der Stadtpfarrkirche gewählt. In dieser Eigenschaft erwies er sich als treuer Gefolgsmann Luthers, dessen Beichtvater und Freund er wurde. Er verfasste zahlreiche Kommentare zu alt- und neutestamentlichen Schriften, die im Druck erschienen. Durch diese Publikationen wurde sein Ruf als reformatorischer Schriftenausleger gefestigt. Sie machten ihn als Theologen über die Grenzen des Reiches bekannt. Für seine Gemeinde war ihm wichtig, eine Kirchenordnung zu schaffen. Sie erschien im Druck und wurde nach ihrer Beschlussfassung in den Kirchen verlesen. Sie richteten sich also nicht nur an die Kirchen- und Verwaltungsfachleute, sondern an die gesamte Gemeinschaft der Gläubigen einer Gemeinde. In den Kirchenordnungen ragen seine Anregungen zum Schuldienst heraus. Bugenhagen räumte dabei erstmals Mädchen die Möglichkeit ein sich zu bilden. Diese Kirchenordnung wurde dadurch auch Vorlage für andere Kirchenordnungen im norddeutschen Raum. Er arbeitete in der Zeit, in der er in Braunschweig und Hamburg tätig war, die Kirchenordnung so um, dass sie auf die jeweilige Gemeinde passten. Er hielt Kontakt zu anderen Reformatoren wie Bucer, Heß, Zwingli und Oekolampad, schrieb Sendbriefe nach England und Livland. Seine Meinung war überall gefragt und geschätzt. In den unruhigen Zeiten des Bildersturms und des Schmalkaldischen Krieges (1546/47) war er Ausgleicher und Vermittler. Nach Wittenberg zurückgekehrt, erschütterte ihn der Tod Luthers. Er hielt ihm als „Lehrer, Propheten und gottesgesandten Reformator“ mit bewegter Stimme am 22. Februar 1546 die Leichenpredigt. Nach Luthers Tod lastete nun auf den Schultern Melanchthons und Bugenhagens die Hauptlast der Verantwortung für die künftigen Geschicke des lutherischen Protestantismus.

Nach der Wittenbergischen Kapitulation, die das Ende des Schmalkaldischen Krieges bedeutete, wurde 1547 in Wittenberg der Universitätsbetrieb wieder aufgenommen und Bugenhagen wurde zum Dekan berufen. Den Wittenberger Theologen wurde daraufhin vorgeworfen, Luther und die Reformation verraten zu haben. Die Vorwürfe und Verdächtigungen trafen ihn sehr. Das zeigt Bugenhagens letztes größeres Werk, der Jona-Kommentar. Dieser ist zu einer ausführlichen Rechtfertigungsschrift im Blick auf die Interimsstreitigkeiten geworden, in der er seine Treue zur Lehre Luthers nachwies. Im Alter von 72 Jahren musste er als Superintendent das von ihm stets hochgeschätzte Predigtamt aufgeben. Nach raschem Kräfteverfall und kurzem Krankenlager starb Bugenhagen am 20. April 1558. Er wurde in der Stadtpfarrkirche, in der er fünfunddreißig Jahre gepredigt hatte, beigesetzt. Seine Grabrede hielt Melanchthon. Johannes Bugenhagen gehörte neben Martin Luther, Philipp Melanchthon, Justus Jonas und Caspar Cruciger zu den bedeutenden Altvätern der evangelischen Kirche in der Wittenberger Reformation.

Bild: rechts von Luther Bugenhagen ©www.pinterest.com Buchdeckeln von seinen Schriften  © wikipedia