Johannes Bernhard Pocksteiner

JOHANNES BERNHARD POCKSTEINER

 Porträt, Ende 17. Jhdt., Öl auf Leinwand, ca. 92 x 72 cm, originaler Flammleistenrahmen.

Der Geistliche in Halbfigur hinter Tisch vor Vorhangdraperie aufrecht stehend, eine Hand auf eines seiner Predigtbücher legend, daneben offene Taschenuhr mit dem Familienwappen. Auf Säulenbasis im Hintergrund Inschrift: JOANNES BERNARDUS POCKSTAINER DE ET IN NIDERPAIERBACH SS. THEOL. DOCTOR PAROCHUS WAIDHOVENSIS.

Das Gemälde muss aus dem Familienbesitz der Pocksteiner oder auch aus dem Pfarrhof Waidhofen in den Besitz der Freiherren von Lempruch (Schloss Albrechtsberg an der Krems) gekommen sein. Im Zuge einer Auktion des Dorotheums Salzburg wurde es durch einen freundlichen Hinweis 2015 dort entdeckt, erstanden und der Pfarre geschenkt.

Johann Bernhard Pocksteiner von und zu Niederbayerbach

Johann Bernhard Pocksteiner gehörte dem niederbayrischen Zweig jener Adelsfamilie an, die seit 1582 in Woffenbach bei Neumarkt begütert war. Seine Familie hatte das Reichslehen Niederbayerbach um 1650 übernommen und stand im Dienste der Wittelsbacher als kurfürstliche Räte, Pfleger und im Militär. Johann Bernhard Pocksteiner wurde von Bischof Veit Adam ins Germanicum nach Rom gesandt (1646 bis 1650) und erhielt eine vorzügliche theologische Ausbildung, die er mit einem großen Lob des Rektors abschloss. Als Priester kehrte er nach Hause zurück und erhielt in Perugia noch den Doktortitel. Mit 28 Jahren präsentierte ihn Bischof Veit Adam als Pfarrer für Waidhofen. Als Pfarrer war er bestrebt, den katholischen Glauben zu vertiefen. Dazu gründete er die Skapulierbruderschaft  und verschönerte Gotteshaus und Gottesdienst, den Friedhof  und auch die Filiale Konradsheim. An der Pfarrkirche erweiterte er die Marienkapelle beträchtlich und stattete sie mit Stiftungen aus. Die Mariensäule auf dem Oberen Stadtplatz ließ ebenfalls dieser große Marienverehrer errichten. Seine Predigten bereitete er penibel vor (daher das Buch in der Darstellung) und verband mit seinem Seelsorgswirken auch große Zuneigung zu den Armen. Die diesbezüglichen Stiftungen sind in den Stiftungen seines Nachfolgers und Verwandten Augustin von Pocksteiner aufgegangen. Er war ein Priester des erneuerten Typs und im Laufe seines Lebens ein Österreicher geworden. Nach seiner Resignation 1686 kehrte er nicht nach Bayern zurück sondern ließ sich im Schloss Zulehen, das er 1678 erworben hatte, nieder. Dort starb er am 26. August 1696 nach längerer Krankheit und fast vollständiger Erblindung und wurde in seiner Gruft unter der Marienkapelle bestattet.

Dechant Mag. Herbert Döller