Huldrych Zwingli

Huldrych Zwingli

 

Huldrych Zwingli war der erste Züricher Reformator. Er wurde am 1. Januar 1484 geboren, begann seine Schulbildung bei seinem Onkel, der Dekan in Wesen war, dann ging er auf eine Lateinschule und einige Universitäten. In Basel schloss er das Studium mit dem Magister artium ab. Nach sechs Monaten Theologie wechselte er wie viele seiner Zeitgenossen ohne abgeschlossenes Theologiestudium in die kirchliche Praxis. Zwingli war von 1506 bis 1516 Pfarrer in Glarus, wo der Bauernsohn Zwingli sehr volksnah wirkte. Zwinglis ungebrochene Kirchlichkeit zeigte sich auch im Bestreben, einen angeblichen Splitter des Kreuzes Christi nach Glarus zu holen, was ihm gelang. Um den Splitter würdig aufzubewahren, musste die alte Glarner Pfarrkirche erweitert werden. 1510 wurde die Kreuzkapelle angebaut, die ihren Namen von diesem Kreuzsplitter erhielt. In dieser Glarner Zeit bildete er sich weiter und lernte Griechisch. Durch den Humanisten Erasmus von Rotterdam lernte Zwingli einen anderen Sinn in den biblischen Texten zu suchen und zu erkennen. Dadurch fand er einen neuen, für ihn befreienden Zugang zur Heiligen Schrift und er strebte nun die von Erasmus angemahnte Läuterung der Kirche an. Trotz der Abgeschiedenheit des Bergtales, wo er lebte, stand Zwingli in regem Kontakt mit den Gelehrten seiner Zeit und war dadurch stets von allem Neuen unterrichtet. Großen Einfluss übte Martin Luthers Auftritt bei der Leipziger Disputation 1519 auf Zwingli aus und so wurden nun seine Angriffe auf die Strukturen und Lehren der Kirche immer schärfer. Zwingli wollte sein Wissen weitergeben. Auf seine Veranlassung stimmte die Landgemeinde der Gründung einer Lateinschule zu, an der er auch unterrichtete. Man holte Zwingli als Leutpriester und Prediger in das als Wallfahrtsort berühmte Kloster Maria-Einsiedeln. Angesichts der dortigen Missbräuche im Bereich der Volksfrömmigkeit begann er „wider Wallfahrten und andre Missbräuche“ und gegen den hier wirkenden päpstlichen Ablassprediger Bernhardin Sanson zu predigen.

Die Entwicklung, die in Glarus begonnen hatte, führte Zwingli in neue Bahnen und er wurde zu einem scharfen Kritiker der damaligen kirchlichen Zustände. Man berief ihn an das Großmünster in Zürich und dort gab Zwingli sein Glaubensbekenntnis «Von der wahren und falschen Religion» heraus. Ab 1525 waren die Reformation und die Reform des Gottesdienstes in Zürich mit Zustimmung  der Bevölkerung abgeschlossen. In enger Zusammenarbeit mit Leo Jud übersetzte Zwingli zwischen 1524 und 1529 die Bibel neu in die eidgenössische Kanzleisprache. Diese Übersetzung ist heute als die «Zürcher Bibel» bekannt. Es wurde das Abendmahl in beiderlei Gestalt im Gedächtnis gefeiert. Bilder, Messen und Zölibat waren abgeschafft und es gab eine geregelte Armenfürsorge. Aus der Zürcher und der Genfer Reformation ging die reformierte Kirche hervor. Zwingli starb am 11. Oktober 1531. Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Johannes Calvin weitergetragen.

 

Bild: Ulrich Zwinglis von Hans Asper © wikipedia