Catharina Regina von Greiffenberg

Catharina Regina von Greiffenberg – geb. Freiherrin von Seisenegg

Mitten in der Zeit der Gegenreformation mit all den Repressalien kam Catharina Regina Freiherrin von Seisenegg am 7. September 1633 zur Welt. Der Landadel, dem ihre Familie angehörte, war noch zur Gänze evangelisch. Zu den Vergeltungsmaßnahmen, die die Familie erleiden musste, gehörten auch große finanzielle Verluste. Als sie sieben Jahre alt war, starb ihr Vater und da besaßen sie nur mehr das um einen Renaissancebau erweiterte Schloss Seisenegg. Als Vormund erhielt sie Hans Rudolf von Greiffenberg, den um viele Jahre jüngeren Halbbruder ihres Vaters. Er ermöglichte ihr eine ungewöhnlich umfassende Bildung und so studierte sie Sprachen, unternahm Bildungsreisen und beschäftigte sich mit Kunst und der Dichtung. Dabei lernte sie Werke von Sigmund von Birken kennen. Als sie achtzehn Jahre alt war, starb ihre jüngere Schwester. In tiefer Trauer schrieb sie: “Mein ganzes Leben war ein Todesverlangen” und so beschloss sie, ihr weiteres Leben der Verherrlichung Gottes durch Wort und Tat zu weihen. So entstanden ihre ersten religiösen Gedichte. Entdeckt hat sie ihr Nachbar, der auf der Schallaburg lebende Johann Wilhelm von Stubenberg. Aus Furcht vor den Türken, die in österreichische Gebiete eingefallen waren, übersiedelte sie 1663 in die evangelische Reichsstadt Nürnberg, wo, unterstützt von Stubenberg und von Birken, 1662 die ersten Gedichte im Druck erschienen. Die Gedichte waren nicht gleich der große Erfolg. Der stellte sich erst bei ihren religiösen Schriften und Andachtsbüchern ein. Als der Oheim das Talent seines Mündels erkannte, förderte er sie ganz besonders. Er drängte sie jedoch auch zu einer Ehe mit ihm, die sie nicht wollte. Nach langem Widerstreben stimmte Catharina zu, den um 25 Jahre älteren Oheim zu ehelichen. Durch das Verwandtschaftsverhältnis konnte die Ehe nur durch massive Einflussnahme des brandenburgischen Hofs in Bayern geschlossen werden. Nach Seisenegg 1666 zurückgekehrt, reiste Catharina mehrmals nach Wien an den Hof, wo sie versuchte,  Kaiser Ferdinand III. zum evangelischen Glauben zu bekehren. Dazu verfasste sie auch eigene Schriften. Große finanzielle Probleme sowie eine Intrige wegen der Blutschande waren schuld, dass ihr Mann ins Gefängnis musste, so blieb sie allein. Überfordert mit den Problemen der Verwaltung,  musste sie Matthäus Riß, den späteren „Freiherrn von Risenfels“, der alle Schuldscheine in seine Hand bekommen hatte, das Schloss überschreiben. 1677 starb ihr Gatte, dessen Rechtsstreitigkeiten sie auch nach seinem Ableben weiter hinaus verfolgten. Verarmt und müde aller Unannehmlichkeiten, übersiedelte sie nach Nürnberg. Dort knüpfte sie wieder an alte Verbindungen an. Die letzten vierzehn Lebensjahre verbrachte Greiffenberg in Nürnberg – hier konnte sie endlich im Kreis gleichgesinnter Freunde ungestört ihrem Glauben und ihrer Dichtkunst leben. Sie wurde Mittglied zweier Sprachgesellschaften: vom „Pegnesischen Blumenorden“ unter Sigmund von Birken; und als erstes weibliches Mitglied in der von Philipp von Zesen gegründeten „Teutschgesinnten Genossenschaft“. Auch mit anderen Exulanten wie Wolf Helmhardt von Hohberg oder Johann Ludwig von Kuefstein stand sie in regem Gedankenaustausch. Sie starb in Nürnberg am 10. April 1694. Ihr Werk umfasst über 4.000 Seiten. Berühmt sind ihre schönen Figurengedichte wie das im Anschluss stehende „ Kreuzgedicht“.

 

Seht der König König hängen und uns all mit Blut besprengen Seine Wunden seyn die Brunnen daraus all unser Heil gerunnen. Seht er streckt seine Hände aus, uns alle zu empfangen Hat uns sein liebheisses Herz uns zu druken sanft verlangen Ja er neigt sein liebstes Haupt uns begierig mit zu küssen Seine Sehen und Gebärden sind auf unser Heil geflissen Seiner     Seiten     offenstehen, macht sein gnädiges Herz uns schen. wan wir schauen mit den Sinnen sehen wir uns selbst darinnen So viel Striemen, soviel Wunden als an seinem Leib gefunden soviel Sieg und Segens-Quellen wole Er unsrer Seel bestellen. zwischen Himmel u. der Erden wolt Er aufgeopffert werden daß Er GOTT und uns vergleiche uns zu stärken  /  Er verbleiche. Ja sein Sterben / hat das Leben mir   und    aller   Welt   gegeben. Jesu  Christ !   dein Tod und Schmerzen leb`   und   schweb  mir   stets   im    Herzen!

Lit.: Cerny, Heimo. Catharina Regina von Greiffenberg, geb. Freiherrin von Seisenegg (1633-1694): Herkunft, Leben und Werk der größten deutschen Barockdichterin. Amstetten 1983.