1526 Abendmahlsstreit

1526 Abendmahlstreit

Sie gehen auf einen langen Schriftwechsel zwischen Luther und Zwingli sowie auf die so genannten Marburger Religionsgespräche zurück, zu denen Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen in sein Schloss einlud. Er wollte damit erreichen, dass die beiden Strömungen der Reformation (Wittenberg und Zürich) sich in theologischen Fragen einigten, um gegen die Altgläubigen gemeinsam gestärkt auftreten zu können. Vom 01. bis 04. Oktober 1529 trafen einander Martin Luther, Huldrych Zwingli und viele weitere namhafte Persönlichkeiten der reformatorischen Bewegung zu den Gesprächen. Es war wohl die bedeutendste Theologenversammlung der Reformationszeit, denn dabei waren: Philipp Melanchthon, Johannes Oekolampad aus Basel und Martin Bucer, außerdem nahmen eine Reihe weiterer Männer weitgehend als Zuhörer teil, unter ihnen Jakob Sturm, Caspar Hedio, Justus Jonas der Ältere, Andreas Osiander, Johannes Brenz und Stephan Agricola. Sie sollten ihre unterschiedlichen Meinungen auf einen Nenner bringen. Dies gelang auch bei 14 der 15 zur Diskussion stehenden Artikel. Große Zustimmung fand beispielsweise Luthers Sicht vom Priestertum aller Gläubigen und seine Forderung, die unsinnige Einteilung des Gottesvolkes in Priester und Nichtpriester endlich aufzuheben. Die Reformatoren beider Lager stimmten darin überein, dass im Mittelpunkt der Abendmahlsfeier nicht das priesterliche Handeln zu stehen habe, sondern Christus selbst, seine Verheißung und der Glaube der Mitfeiernden, die dieser Verheißung vertrauen.

Auf einen Artikel jedoch konnte man sich nicht einigen, und zwar auf jenen, der das Abendmahlverständnis prinzipiell betraf: Während Luther an der traditionellen Lehre von der leiblichen Gegenwart Christi beim Abendmahl festhielt, wollte Zwingli die Abendmahlsfeier als symbolische Gedächtnishandlung verstanden wissen. So endete dieses einmalige Treffen zwischen Luther und Zwingli – die „Marburger Artikel“ tragen ihrer beider Unterschrift – zwar nicht ergebnislos, war aber doch mit einem Makel behaftet. Martin Bucer versuchte im Rahmen der Verhandlungen zur Wittenberger Konkordie 1539 noch einmal in dieser Frage zu vermitteln, leider erfolglos. Es schien, als hätten die Gespräche in Marburg die Trennung zwischen der lutherischen und reformierten Kirche für alle Zeiten besiegelt.

1529 Protestanten – der Name entsteht Begonnen hat das auf dem Reichstag zu Worms 1521, dort war die Lektüre und Verbreitung von Luthers Schriften verboten (Wormser Edikt) und über Martin Luther sowie seine Anhänger die Reichsacht verhängt worden. Auf dem ersten Reichstag zu Speyer 1526 war dieser Beschluss teilweise revidiert worden, indem die Ausführung des Wormser Edikts den Reichsständen überlassen wurde. Jeder Fürst sollte es mit der Religion so halten, wie er es vor Kaiser und Gott verantworten könne. Auf dem zweiten Reichstag zu Speyer 1529 wollte nun Kaiser Karl V. durch die Aufhebung der Beschlüsse von 1526 die religiöse Uneinigkeit zwischen katholischer Mehrheit und evangelischer Minderheit beenden, da die „lutherische Ketzerei“ und der daraus entstandene Religionsstreit seinen politischen Plänen zuwider liefen. Die protestantischen Fürsten wollten sich aber nicht damit abfinden, durch Mehrheitsbeschluss zur katholischen Konfession gezwungen zu werden. Diese Protestation der Fürsten und Städte gilt mittlerweile als Geburtsstunde des Protestantismus. Bild © Luther Gedächtnisstätten Sachen Anhalt – Abendmahlstreit