1505-1512

1505

Gewitter in Strotternheim

Luder – so berichtet die Blitzlegende – gelobte in einem Sturm Mönch zu werden. Dies tat er, zur Überraschung seiner Familie und Freunden und trat am 17. Juli 1505 dem Bettelorden der Augustiner im Erfurter Kloster ein. Dieses Kloster war ein humanistisches Reformkloster, in dem man durch Strenge, gottgefälliges Leben und Selbstgeißelung die in der Zeit übliche Frömmigkeit lebte. Der Generalvikar Johann Staupitz wurde zum wichtigsten Mentor des Novizen Martin Luder.

1507

Priesterweihe und Theologiestudium

1507 wurde Luder im Erfurter Kloster zum Priester geweiht. Er begann gleich danach Theologie am Generalstudium der Augustinereremiten in Erfurt, das der Universität inkorporiert war, zu studieren, wo er 1509 promovierte. Er begegnet hier den Ideen der Humanisten, dabei kommt er mit der Losung „ad fontes“ „Zurück zu den Quellen“ in Berührung. Also zurück zum Ursprung – die hebräischen und griechischen Bibeln stellt er nun ins Zentrum seines Klosterlebens. Fasten, Selbstgeißelung waren die Regel. Die Angst, plötzlich dem himmlischen Richter gegenüberstehen zu müssen, war nicht verflogen. Er litt Seelenqualen, denn die Angst vor dem unbarmherzig richtenden Gott war gegenwärtig. Probleme um eine neue Ordensregelung brachte Luder 1511 nach Rom. Nach seiner Rückkehr verließ Staupitz Wittenberg und setzte Luder an seiner Stelle als Professor ein.

1512

Promotion zum Doktor der Theologie

Luder wurde 1512 Doktor der Theologie und wird von seinem Orden an die Wittenberger „Leucorea Universität“ gesandt, um dort eine Bibel-Professur zu übernehmen. Er liest über die Psalmen und Galater- und Römerbriefe. Diese Jahre sind stark durch sein Ringen nach religiöser Erkenntnis geprägt: Die Erleuchtung erfolgt durch den Römerbrief: „der Mensch erlange Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes, nicht durch gute Werke.“ Er wird auch zum Prediger an der Wittenberger Stadtkirche ernannt. Es bildet sich ein Theologenkreis um ihn, dem Nikolaus von Amsdorf und Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, angehören.

Foto Augustiner Kloster Erfurt©Janda